Oringen 2019 – auch die Sümpfe hatten Urlaub

Nach einigen Jahren war es mal wieder an der Zeit, der sommerlichen Hitze in Mittel- und Südeuropa gen Norden zu entfliehen und sich gemütlich im mittleren Schweden die Füße in diversen Gewässern zu kühlen. Als passender Aufhänger bot sich Oringen an, was heuer im Umfeld von Norrköping stattfand. Die läuferische Kondition war zwar dank diverser Verletzungen im Winter und Frühjahr nicht gegeben, aber das lässt sich ja durch Erfahrung wettmachen. Wenn man nicht so schnell läuft, kann man ja auch viel besser Karten lesen und macht dafür weniger O Fehler. Soweit die Theorie.

2019 alles in pink

2019 alles in pink

Bei der Ankunft in der Norrköpinger Oringenzentrale kam erste Verwirrung auf: Ist heuer Ladies day? Dicke pinkfarbene Postenschirme wehten zur Begrüßung in jedem Verkehrskreisel vor sich hin, auch in der Innenstadt fanden sich etliche Exemplare dieser gewöhnungsbedürftigen Farbkombination. Des Rätsels Lösung: Es gibt jetzt jährlich wechselnde Farbkompositionen. Wer also sein heimisches T-Shirt Fach passend versorgen will: Nächstes Jahr in Uppsala ist maisgelb angesagt, Are glänzt anschließend mit hellgrün und 2022 in Oskarshamn grüßt die Ostsee in hellblau.

Also dann, auf zu Etappe 1 gleich vor der Haustür in Finspang. Auf dem Weg zum Start trifft man gleich mal die halbe restliche Regensburger Blase (Ines, Jasmin, Katrin), die sich geschickterweise unter fremden Vereinsnamen angemeldet haben und um ganz sicher zu gehen, dass frau nicht im Wald erkannt wird, auch mit seltsamen Bären Tshirts unterwegs sind.  Relikte vom JJLVK? Na ja, zurück zur eigenen Bahn, und die für den Anfang auch ganz ordentlich gemeistert, zwei kleine Richtungsfehler mit ein paar Minuten Zeitverlust lassen wir mal elegant außen vor. Überraschung Nummer eins war, dass das Wegenetz doch dichter war als gedacht. Kommentar des Nachwuchses aus der fernen Oberpfalz dazu: Das gilt nicht, auf diesen Waldkarten zu laufen, das grenzt ja an schwedischen Park OL. Als Überraschung Nummer zwo stellte sich die vollkommen unnötige Aufnahme von gestrichelten Blautönen auf der Karte dar. Also alle Sümpfe konnte man nur noch an den flachen, weichen Stellen erkennen, Wassergräben waren durch entsprechende Braunsignaturen zu ersetzen. Wer sich an die legendäre DM ziemlichnass  in Altenberg erinnern kann, hier war das akkurat invertiert. Kühlungseffekte waren damit ausgeschlossen. Unseren Oringen Neuling Petra kümmerte das wenig, wichtig war, überhaupt über die Bahn zu kommen, was ihr auch allen vorherigen Befürchtungen zum Trotz gut gelang.

Reichlich Betrieb im Zielhang....

Reichlich Betrieb im Zielhang….

Zweiter Tag, zweiter Versuch, zweiter Posten, wieder daneben im Dickicht. So wird das nix mit der OL Karriere. Bei der nächsten größeren Postenverbindung erstmal die Wegumlaufroute nehmen war auch keine glorreiche Idee, für Konditionsmangel siehe oben. Die nächsten Posten waren meist wieder gut, nur einmal falsch über den Hügel zielen kommt nicht ganz so gut, die nächste Strafrunde um einen Hügel war damit eingetütet. Mit wieder mehr  Konzentration lief es die nächsten Posten wieder gut im wahrsten Sinn des Wortes, der Wald war allgemein sehr gut belaufbar und das Höhenprofil recht moderat, zumindest für bajuwarisch gestählte Bergwadln. Am vorletzten Posten war dann die Konzentration wieder futsch. Es reicht halt nicht, „einfach“ über den Weg zu verlängern, sondern man sollte zusätzlich ein bisschen auf die Karte schauen und den Posten in der Mulde nicht unterhalb der Felswand suchen, wenn er oben steht…

... und bei der Getränkeausgabe

… und bei der Getränkeausgabe

Über den dritten Lauf breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens, eine halbe Stunde zum zweiten Posten, der NICHT am anderen Ende der Karte stand, ist nicht so der Burner. Man sollte halt seinen Plan nicht unterwegs zweimal ändern und damit die Absprungpunkte schon überlaufen haben… Zeit für ein paar Oringenfakts 2019: 15000 Anmeldungen zu Beginn der Woche, über 21000 mit allen Tagesanmeldungen, 2500 freiwillige Helfer, viele davon an mehreren Tagen im Einsatz. 85 Busse im Pendelverkehr zwischen Oringenstaden, Satellitenparkplätzen und Arena. Wasserausgabe gleich kubikmeterweise nicht nur im Ziel, sondern auch im Gelände und auf den Wegen zu den acht Startplätzen.

Bei Anmärschen bis zu drei Kilometern Länge war das bei den vorherrschenden Verhältnissen durchaus angenehm. Die Temperaturen waren zwar wie gewünscht etwas unter den heimischen, erreichten bzw. übertrafen aber die ganze Woche durchgehend ebenfalls die 30° Marke. Dies führte auch dazu, dass Petra nach diesem Lauf beschlossen hatte, genügend Oringenerfahrung gesammelt zu haben und die letzten beiden Läufe im kühlenden Freibad verbrachte.

Trotz regen Andrangs an den Bussen gab es keine allzugroßen Wartezeiten

Trotz regen Andrangs an den Bussen gab es keine allzugroßen Wartezeiten

Gute Vorsätze für den vierten Lauf waren jedenfalls gegeben. Die wesentliche Frage vor dem Start war, wie denn bitte die Mitteldistanzbahn bei einer Länge von 4km aussieht, wenn der Weg zum Start schon 3km beträgt? Des Rätsels Lösung waren dann ein paar Kurven beim Anmarsch durch ein Wohngebiet, was dann doch zu keiner Luftlinienbahn vom Start zum Ziel geführt hat. Vom Start weg ging es jedenfalls durch superoffenes Gelände, wobei schon nach 100 Metern die ersten Läufer mit deutlich sichtbaren Fragezeichen über den Köpfen im Wald standen und fleißig Posten suchten. Also Konzentration bitte hochhalten und Tempo noch etwas mehr drosseln, was auf Grund des bekannt unausgereiften Wintertrainings kein wirkliches Problem darstellte. Tatsächlich stimmten diesmal die geistigen Kartenbilder mit den Verhältnissen in der Realität überein, so dass fast von einem guten Lauf gesprochen werden konnte, wenn wir mal das reduzierte Lauftempo außen vor lassen (Hatte ich das fehlende Frühjahrstraining schon erwähnt?).

Der flache Teil von Etappe 5

Der flache Teil von Etappe 5

Für die finale fünfte Etappe fiel der Jagdstart damit aus, der Startplatz war dafür umso romantischer an einem kleinen See gelegen. Im Gegensatz zu den Sümpfen waren die jedenfalls noch vorhanden, Gottseidank darauf konnte man sich wenigstens verlassen. Start am See heißt aber auch, dass es in neun von zehn Fällen hoch gehen muss. In diesem Fall ging es sogar ziemlich steil nach oben zum 50m entfernten Startdreieck, nur um unterwegs festzustellen, dass es gleich nach dem Postenschirm weitere Höhenlinien nach oben zu queren galt. Wie es auf der Startstrecke zuging mit sechs gleichzeitig startenden Kategorien im 15s Takt kann man sich kaum vorstellen. Was gibt es zum Lauf noch zu sagen? Teilweise lief es supergut, die Posten einhundertprozentig angelaufen und sogar die Nummern nicht verglichen, weil das nicht verkehrt sein konnte. Auf der anderen Seite gab es eine Wiederholung von Etappe 1, bei zwei Posten die Richtung nicht sauber eingehalten (diesmal zu weit links statt rechts) und schon wieder kostbare Zeit liegen gelassen. Daran war bestimmt nur der Bahnleger schuld, weil er alle auf den ersten Etappen fehlenden Höhenmeter in die letzte Etappe gepackt hatte. Es ging beständig von einem Hügel steil runter und gleich wieder schön hoch auf den nächsten Hügel.

Fazit: Immerhin alle 5 Läufe überstanden ohne Fehlstempel, unter den top 100 gelandet (bei 105 in der Wertung J, aber 155 Startern); einmal mehr die Erkenntnis gewonnen, dass so Stücker ein oder zwo O Trainings im Vorfeld vielleicht nicht die schlechteste Idee wäre; und mit ein bisschen mehr Physis lässt sich unterwegs auch leichter denken.

PS: Übrigens sind für nächstes Jahr wieder ein paar Sümpfe bestellt. Wer sich ein Bild davon verschaffen will, sehe sich bitte mal die Karte Lunsen näher an (2,5m Äquidistanz)

 

Klemens

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